Ein obskures südkoreanisches Gesetz macht das Tätowieren technisch illegal. Obwohl dies nicht verhindert, dass eine wachsende Anzahl von unterirdischen Tattoo-Salons im Haus oder in versteckten Räumen von Menschen geöffnet wird, stellt es eine Herausforderung für eine junge Generation dar, die sich über den auferlegten idealen südkoreanischen Look hinaus ausdrücken möchte - oft kontrolliert von Kpop und Kosmetik Branchen.
Die Tattoo-Geschichte ist in Korea tatsächlich Jahrhunderte alt. Seeleute markierten sich mit erschreckenden Formen, um die Monster, die in der Tiefsee lebten, abzuschrecken. Aber während der Joseon-Dynastie änderten sich die Dinge, als Tätowierungen verwendet wurden, um Räuber für ihre Verbrechen und Sklaven als ewiges Zeichen der Bestrafung zu kennzeichnen. Im 20. Jahrhundert verwendeten südkoreanische Banden, die von japanischen Yakuza inspiriert waren, Tätowierungen als Erkennungszeichen. Diese eher dunkle Kunstgeschichte schuf eine negative Wahrnehmung, die in dieser sehr konservativen Gesellschaft bis heute Bestand hat. Heutzutage sieht eine neue Generation von Koreanern, die von Popstars, westlichen Sportlern und Fernsehprogrammen beeinflusst wird, Tätowierungen als attraktiv und modisch an. Das Verbot bleibt jedoch bestehen.
Diese Porträts junger südkoreanischer Tätowierer, die sich gegen Gesetze und kulturelle Standards entschieden haben, wurden direkt auf 8 x 10 Zoll negativem Fotopapier festgehalten.
Tim Franco 2020
In der Serie „Mit uns das Meer“ wird der Verlust eines Menschen verarbeitet. Eingefroren eines Augenblickes, zeigen die zwei Portraits die Zeitlichkeit im Stillstand. Es sind Cyanotypien auf Aquarellpapier. Das Blau zerbricht das Weiß des Hintergrundträgers wie die Scherben eines Spiegels, läuft darüber wie das Silber, das einen Spiegel ebenso überzieht wie das Silbernitrat das rohe Filmmaterial. Und direkt aus dieser ureigenen Alchemie des fotografischen Verfahrens, aus dessen Mitte, blickt einem das schöne, schwarzweiße Gesicht einer Person entgegen (Bild Nr.002), die für die Fotografin (Bild Nr.001) wichtig war, die nicht mehr lebt, die aber auf diese Weise weiterlebt, weil in ihr mitschwingt, dass eigentlich alle unsere Beziehungen einer Endlichkeit unterliegen, die wir nicht kontrollieren können. Der Titel und das hierfür ausgewählte Edeldruckverfahren geben Auskunft über die letzte Ruhestätte der Verstorbenen. Das Selbstportrait entstand kurz nach der Beerdigung. Die Portraits der Freundinnen erzählen vom Menschsein, über die Verschiebung von Wertigkeiten und den Erhalt der Würde bis zuletzt.
Nicole Woischwill 2020

ABOUT INK AND FACES

Die Satellitenausstellung des PORTRAITS - Hellerau Photography Award 2020

beginnt verspätet am 05. September 2020 im Atelier Starke Fotografen.

Nicole Woischwill und Tim Franco zeigen ihre Arbeiten in der

Ausstellung „ABOUT INK AND FACES“.

Es wird keinen Eröffnungsabend der Ausstellung geben, leider!

ABER - am 05. September 2020 wird Nicole Woischwill von 18 bis 20 Uhr 

im Atelier Starke Fotografen, Louisenstraße 6, in der Dresdner Neustadt, 

anwesend sein und für Gespräche zur Verfügung stehen.

 

Die Bilder sind vom 05. September bis 30. Oktober 2020 zu sehen.